Persönlichkeiten

“HOLZ ERFÄHRT EINE NIE DAGEWESENE RENAISSANCE”

Warum ist Holz für den Klimaschutz so wichtig? Was tut sich im Bereich Bauen mit Holz? Und was hat Holz anderen Baustoffen voraus? Der Architekt Joachim Kranendonck, der für den Wettbewerb "Die schönsten Holzhäuser" in der Jury saß, verrät's.



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Joachim E. Kranendonck hat an der RWTH Aachen Architektur studiert und ist seit 1999 Inhaber und Geschäftsführer des Büros Architekten I K2 in Aachen und Wiesbaden. Er ist staatlich anerkannter Sachverständiger für Schall- und Wärmeschutz und seit der Gründung im Jahr 2007 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB). Er war Jurymitglied beim Wettbewerb “Die schönsten Holzhäuser 2020” und spricht im Interview über die eingereichten Arbeiten, die Bedeutung von Holz in Sachen Klimaschutz und welche Vorteile der natürliche Werkstoff beim Bauen mitbringt.

Das Interview stammt aus dem neuen E-Book “Nachhaltig bauen: Die schönsten Holzhäuser 2020”, das kürzlich erschienen ist.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie während der Auswertung der Einsendungen gemacht?

Als Erstes hat mich die große Vielfalt und Spannweite der eingereichten Arbeiten überrascht. Von ersten Entwurfsideen und Visionen guter Wohnarchitektur bis hin zu hervorragend durch detaillierten und fertiggestellten Gebäuden war alles dabei. Dies gilt ebenso für die Standortwahl. Das Spektrum reichte vom ländlichen Einfamilienhaus bis zu guten Beispielen innerstädtischer Bebauung. Ebenso fand ich erfrischend, dass die Arbeiten sich nicht nur auf den traditionellen Holzbau beschränkten, sondern auch Lösungsansätze für industriell hochgradig vorgefertigter Bauweisen zeigten. Gerade diese Diversität machte die Auswahl „eines“ besten Entwurfes sehr schwierig. Dennoch haben sich die Jurymitglieder, unabhängig voneinander, für dieselben Finalisten ausgesprochen. Das zeigt einmal mehr, dass gute Architektur ablesbar ist.

Durch den Einsatz von Holz, das unter den umweltfreundlichsten Bedingungen im Ökosystem Wald produziert werden kann, lässt sich die Belastung der Umwelt wesentlich reduzieren.

Holz ist vielseitig einsetzbar: Inwieweit hat sich diese Aussage in den Einsendungen der Teilnehmer widergespiegelt?

Wenn wir von Holz sprechen muss man sich ins Bewusstsein rufen, dass es sich hierbei nicht um einen homogenen Baustoff handelt. Das Spektrum der Eigenschaften könnte nicht vielfältiger sein. Von weich bis starr, hell bis dunkel, homogen bis unregelmäßig volatil, all dies und vieles mehr bildet Holz als Baustoff ab. Vom Einsatz als rein statisch konstruktives Material bis hin zu dekorativen Zwecken war bei den eingereichten Arbeiten alles dabei. Zunehmend zu erkennen sind die Überlegungen, im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens, Holz auch im städtischen Kontext einzusetzen. Dort wo Holz an seine Grenzen der Sinnhaftigkeit stößt, zeigten sehr gute Arbeiten Lösungsansätze, die sich mit dem Thema der Hybridbauweise beschäftigt haben.

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Wie schätzen Sie nach Sichtung der Einsendung die aktuelle Einstellung gegenüber des Baumaterials Holz ein? Denken Sie, dass Holz zukünftig vermehrt genutzt wird? Ressourcenverbrauch, Umweltbelastungen und Recycling sind die großen Themen unserer Zeit. Wir verbrauchen derzeit 1,75 mal mehr Rohstoffe, als uns die Erde langfristig zur Verfügung stellen kann. Rund 40 Prozent des weltweiten Ressourcenverbrauchs fallen laut der Deutschen Bundesstiftung Umwelt am Bau an. Die Industrie ist außerdem für 30 Prozent der weltweiten CO2 -Emissionen verantwortlich. Allein die Herstellung von Zement sorgt für acht Prozent der globalen CO2 -Emissionen. Dass dies langfristig der Weg in eine sowohl ökologisch als auch ökonomische Sackgasse ist, dürfte jedem bewusst sein. Durch den Einsatz von Holz, das unter den umweltfreundlichsten Bedingungen im Ökosystem Wald produziert werden kann, lässt sich die Belastung der Umwelt wesentlich reduzieren. Nicht nur die Produktion von Holz ist umweltfreundlich. Auch nachdem Holz gefällt ist, speichert es CO2 . Zwischen 40 und 100 Jahre kann der Naturstoff in seinem Inneren so Kohlenstoff binden. Gut für das Klima – besonders in Städten. Um den Gedanken, Holz zukünftig vermehrt als Baustoff zu nutzen, kommen wir nicht herum.

Holz ist ein Baustoff mit langer Tradition und zugleich hochmodern.

Wie hat Holz die Baubranche in den letzten 10 Jahren nachhaltig verändert?

Die vielfältigen vorteilhaften Eigenschaften von Holz als Baustoff sind schon lange bekannt. Jedoch erst durch die Entwicklung innovativer Fertigungstechnologien und Bauweisen ist es gelungen, Holz genauso flexibel einzusetzen wie Massivbaustoffe. So können z. B. homogenisierte Werkstoffe wie Brettschichtholz dank CNC-Technik mit geringen Toleranzen in dreidimensionale Formen gebracht werden. Dies erschließt gänzlich neue Einsatzmöglichkeiten. Auch hier sind wir in der Welt 4.0 angekommen. Diese Möglichkeiten sowie der Gedanke und die Verantwortung erheblich nachhaltiger mit unseren Ressourcen haushalten zu müssen, führt gerade in der jüngsten Vergangenheit zu einem starken Umdenken. Holz erfährt derzeit eine nie dagewesene Renaissance. Nahezu alle Preisträger von Architekturwettbewerben beschäftigen sich in einer vielfältigen Form mit dem Einsatz von Holz als Baustoff. Ein erster Schritt in eine verantwortliche (Bau)Welt!

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Wieso ist es Ihrer Meinung nach sinnvoll, Holz im Fensterbau zu nutzen? Wo liegen die Vorteile?

Neben dem wesentlichen Argument, dass Holz ein nachhaltiger, nachwachsender und umweltfreundlicher Baustoff ist, hat es im Gegensatz zu Kunststoff- und Metallfenstern den Vorteil, dass es bei großen Temperaturunterschieden formstabil bleibt. Jeder kennt das Phänomen und somit den größten Nachteil der Kunststoff- und Metallfenster, dass die Fensterflügel sich im Sommer stark ausdehnen und sich nur mit erheblichem Kraftaufwand öffnen lassen. Im Winter dagegen ziehen sich die Flügel stark zusammen, was zu Undichtigkeiten führt. Ferner besitzt Holz als Werkstoff von sich aus einen hohen Wärmedämmwert. Aufwendige Konstruktionen zur thermischen Trennung von Außenluft- und Innenluft berührenden Bauteilen, die zu einer Kondensatbildung führen, entfallen.

Warum ist Holz für Sie ein zeitloses Baumaterial?

Holz ist ein Baustoff mit langer Tradition und zugleich hochmodern. Er verbindet hervorragende technische Eigenschaften mit vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten. Kaum ein anderer Baustoff ist so flexibel und variantenreich einzusetzen. Der Baustoff bietet genügend Entwicklungsmöglichkeiten für neue Ideen mit denen Effizienz, Nachhaltigkeit, Funktionalität und Qualität in der Architektur erreicht werden können. Und das mit einem ganz entscheidenden Merkmal: Holz wächst immer wieder nach. Die Wettbewerbsbeiträge zeigen vorbildlich die Verwendung des Baustoffes und sind ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Gestaltungsqualität mit Holz auf höchstem Niveau erreichen lässt.

Inwieweit passt sich Holz an die Bedürfnisse der Bewohner an?

Die Bewohner eines Holzhauses können sich über ein gesundes und angenehmes Wohnklima freuen. Das Naturmaterial kommt dank technischer Trocknung vollkommen ohne chemischen Holzschutz oder ähnliches aus. Zudem behält Holz seine positiven Eigenschaften auch nach der Verarbeitung bei und wirkt temperaturausgleichend. Durch die Notwendigkeit der Rasterbauweise bleibt, bei entsprechender Berücksichtigung im Entwurf, ein Holzhaus auch Jahre später noch flexibel und lässt sich mit einem Anbau oder einer Aufstockung erweitern und an die neuen Lebensumstände anpassen. Ebenso bleibt der Aufwand dank hohem Vorfertigungsgrad und kurzer Montagezeit verhältnismäßig gering.

Beitragsbild: Joachim Kranendonck, K1 Architekten | Bilder im Text: “Valle Wood” Bürogebäude in Oslo von Anders Vestergaard Jensen via Unsplash


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Hubert ist das neue Online-Magazin für Holz-Kultur, das hochwertige und mitreißende Beiträge rund um den Baustoff Holz liefert. Hubert wird herausgegeben von Sorpetaler Fensterbau.

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